Initiative-Links - Unabhängiges Linksbündnis Gelsenkirchen

Initiative-Links.de
mitgliederblogs // dennis.initiative-links.com

Darf ich vorstellen: Der Anduri Stamm

Seit ungefähr einem Jahr spiele ich nun World of Warcraft und bastele dementsprechend derzeit an einem Zwischenfazit. Denn interessant ist dieses Phänomen so oder so. Immerhin treffen hier zwei der größten Schrecken bundesdeutscher Eltern aufeinander, das “Rollenspiel” und das “Computerspiel”. Nun, weil ich mit dem Fazit noch nicht fertig bin aber auch keine Lust irgendwas anderes zu schreiben stelle ich euch heute mal einen positiven Aspekt der WoW-Welt vor, den “Stamm der ehrenwerten Anduri”…

Der “Anduri Stamm” ist eine Rollenspielgilde auf dem WoW-Server “Forscherliga”.

Was ist ein WoW-Server? Die World of Warcraft ist nicht global untereinander vernetzt, das wäre technisch kaum zu stemmen. Stattdessen organisiert dies der Anbieter so, indem er quasi viele Abbilder derselben Spielwelt auf diversen Serverfarmen anbietet. Auf diesen Servern tummeln sich dann mehrere 10000 Spieler und bilden so gemeinsam die “Servercommunity”. Eine Interaktion zwischen Server A und Server B ist nicht (bzw. nur in sehr speziellen Fällen) möglich und nicht vorgesehen. Der Server “Forscherliga” ist quasi die Weltversion auf welcher sich die “Duris” (und übrigens auch meine virtuelle Wenigkeit) tummeln.

Eine sogenannte “Gilde” hingegen ist ein Zusammenschluß von Spielern mit einem mehr oder weniger substanziellen Hintergrund. In derselben Gilde organisierte Spieler haben erweiterte Möglichkeiten der Interaktion bzw. Zusammenarbeit. Bei den “Anduris” ist der Hintergrund sehr substanziell. Sie legen eine hohe Gewichtung auf “Rollenspiel” und stellen in ihrer Gesamtheit einen Stamm des (im Spiel vorhandenen) Volkes der Trolle dar.

Sie unterscheidet aber von vielen anderen “Gilden” (ob Rollenspielgewichtung oder nicht) das sie nicht alleine das vorhandene Angebot des Anbieters ausschöpfen (Konsumieren), sei es durch Bespielen des Spielhintergrunds oder durch Frequentierung der vom Hersteller angebotenen Spielmöglichkeiten. Nein, das Interessante an den “Duris” ist das die Gesamtheit der SpielerInnen offensichtlich ein Milieu schafft in welchem Output generiert wird welcher über das originäre Angebot des Anbieters hinausgeht.

Der Kreativvorgang der kindlichen Inbeschlagnahme, z.B. durch die Deklarierung zweier Legosteine als “Gespensterverscheuchmaschine”, findet hier seine Fortsetzung. Gegenläufig zum gesellschaftlichen Trend des vermehrten puren Konsums mit fortschreitendem “Erwachsenwerden” des Einzelnen. Das ist deswegen so bemerkenswert weil es ausgerechnet vor einem Hintergrund geschieht dem im Normalfall insbesonders eben jener Nur-Konsum pauschal angedichtet wird, dem Komplex “Videospiel”.

Heute gibt es Andurikurzgeschichten, Anduriepisodenstories und sogar Andurivideos auf Youtube. Nicht zu vergessen einen erstklassigen Andurisong (Hip Hop). (Anmerkung: Videospielvideos gibt es jede Menge allerdings unterscheidet sich der Andurioutput durch die in ihn geflossene kreative Gestaltungskraft). Anhängern der Wissensgesellschaft dürften vor dieser Fülle vor Freude die Ohren schlackern.

Und wir sehen auch was neu daran ist. Stichwort: “Informationszeitalter”. Nichts gegen die Gespensterverscheuchmaschine, aber faktisch war/ist sie nicht existent, stattdessen sind da nur Legosteine. Der Content der Anduris ist aber existent, er ist niedergeschrieben bzw. kreiert und im Internet jederzeit abrufbar. Für meine marxistischen Leser mal einen heißgeliebten Begriff: Produktionsmittel.

Womit wir zu den Eigentumsverhältnissen kämen. Wem gehören die Anduris eigentlich? Also das Konzept Anduri. Offenkundig haben hier Kunden eines Unternehmens das Eigentum des Anbieters gesetzeskonform frequentiert, erweitert und ausgefüllt. Was die Anduris heute spielen ist also eigentlich nicht das “Eigentum” des Anbieters. Um den exakten Zustand der Besitzverhältnisse “Anduri” aber zu erklären fehlen schlichtweg die Begriffe. Ich erwähne dies nur um mal wieder einen Hinweis darauf zu geben das sich unsere Gesellschaft in einem Transformationsprozess befindet auf welchem Konzepte des 20ten Jahrhunderts nicht mehr so recht passen wollen. Verzeiht das Abschweifen, aber in einem politischen Blog passiert das manchmal.

Zurück zu den Trollen. Ich möchte es nicht allein dabei belassen hier vor weißer Leinwand etwas dahin zu schwadronieren sondern fordere zu ungehemmten Andurikonsum auf. Auf Kurzgeschichten der Anduris stößt man u.a. im Anduriforum, ein Andurivideo findet sich HIER.

Links zu drei größeren Geschichten:

Qu’aath über Lanzenspitze

Busi’ness im Sumpf

So die Loa wollen

Hinweis dazu: Trolle sprechen einen besonderen Dialekt, daher die zum Teil irritierenden Wortschöpfungen. Bei mehrteiligen Stories bitte unten auf den Fortsetzungslink achten. Die Links führen übrigens zum “Forscherliga-Wiki”. Schon wieder so ein Kreativdingens…

Mit einem trollischen “Vaya” verabschiedet sich für heute ein nachdenklicher Dennis


 
 
 

3 Kommentare zu “Darf ich vorstellen: Der Anduri Stamm”

  1. templates
    17. März 2009 um 14:26

    danke für diese infos. ich selber mag WOW net so. aber ich finde es ok wenn so viele menschen es mögen. ich mag dafür andere spiele die momentan als gefährlich eingestuft werden. so ein blödsinn. ich hoffe, die medien gehen nicht zu weit und verbieten uns auch noch das spielen.

  2. Dennis
    17. März 2009 um 16:18

    Ihr habt einen Rechtschreibfehler auf eurer HP :P

  3. Alex
    21. September 2009 um 11:03

    Hallo!

    Ich spiele WoW selber sehr gerne, aber mit Rollenspielen hatte ich noch nichts zu tun, da mir sowas nicht liegt. Ich spiele auf einem PvP Server, da kann man zwar schonmal Augenkrebs bekommen, wenn man den Chat liest, aber im Grunde sind die Leute in Ordnung :)

    MfG

Kommentar abgeben: