Kommunalpolitisches Kino
Wie SPD, CDU, FDP und LINKE versuchen Kinounterhaltung in Gelsenkirchen zu retten, Klaus Härtels Seriösität und nicht zuletzt wer sich beim grünen Neujahrsempfang bei Ströbele Tipps zum Direktwahlkreissieg geholt hat. Ja ich hab mir heute mal wieder eine WAZ gekauft
Über eine zwischenzeitliche Unterdeckung des Gelsenkirchener Bedarfs mit dem Freizeitangebot „Kino“ wird derzeit ja seit der angekündigten Schließung des Multiplexkinos intensiver diskutiert. Zweifellos ist dies die Stunde auch für ideologische Debatten. So argumentieren Kritiker dieser Kinoform damit dass eine derartige „McDonalds“ Atmosphäre den Kinogang im Multiplex sowieso unattraktiv gemacht hätte und hoffen auf eine Stärkung der Lichtburg „Schauburg“ in Buer und auf eine Revitalisierung (besser: Wiederauferstehung) des Kinobetriebs im südlichen Stadtkern. Andere Position beziehen zum Beispiel die Gelsenkirchener Jusos. Ein massenpublikumsgerechtes Kino sei unverzichtbar u.a. deswegen weil so möglicherweise noch mehr junge Menschen zur Freizeitgestaltung in die Nachbarstädte fahren würden. Das jene Stellungnahme ausgerechnet in der WAZ-Ausgabe erschien in welcher ausführlich das regionsschädliche „Förderturmdenken“ behandelt und kritisiert wurde ist dabei nur ein kleiner Gelsenkirchener Treppenwitz.
Gelsenkirchens Kommunalpolitiker hingegen behandeln die Thematik weit pragmatischer und leisten mit vollem Einsatz improvisierten Ersatz.
Allen voran SPD-Fraktionschef Klaus Härtel in seiner persönlichen Interpretation der Eddie Murphy Komödie „Boomerang“. So merkte er auf der Wahlkreiskonferenz der SPD an die GRÜNEN hätten in Gesprächen über einen möglichen Verzicht auf eine OB-Kandidatur „jegliche Seriösität über Bord geworfen“. Na wenn das Ding dem als sehr emotional bekannten Härtel mal nicht zurück an den Kopf wirbelt, werden die inhaltlichen Angebote der SPD an die GRÜNEN zu diesem Sachverhalt auch in SPD-Kreisen äußerst kritisch betrachtet. Bekanntlich machte die SPD in ihrem realitätsfernen Anspruch souverän als stärkste Kraft der Stadt durchzumarschieren dreist: Kein Angebot.
Dabei waren die grünen Beispielforderungen gar nicht so abwegig. Zum Beispiel wurde u.a. die Rücknahme der planungsrechtlichen Unterstützung der „Norderweiterung“ vorgeschlagen.
In diesem Sachverhalt zeigt sich auch einmal mehr die „Seriösität“ der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Gelsenkirchen. Die in der Kooperationsfortschreibungsvereinbarung aufzufindende Formulierung über „2500 Arbeitsplätze die erhalten und um viele weitere, die direkt oder indirekt geschaffen werden können.“ stammt sicher nicht von den umweltpolitisch bewegten GRÜNEN.
Das Ergebnis ist bekannt. Kleinlaut musste Härtel nur ein halbes Jahr danach einen geplanten Arbeitsplatzabbau von BP eingestehen. Und kritisierte diesen darüber hinaus.
Die unter Annahme falscher Tatsachen getroffene Entscheidung für den Stadtteil Scholven wollte die SPD allerdings trotzdem nicht ein gutes Jahr später überdenken. „Seriösität“ bedeutet für Herrn Härtel offenkundig das Verschenken städtischer Ressourcen, ein gutes Verhältnis zu den Chefetagen der Chemieindustrie und das Festhalten an sozialdemokratischer Industrieromantik.
Das dies für Herrn Härtel, neben seinem Einschwören der SPD Genossen auf einen Kommunalwahlkampf der höchstwahrscheinlich sowieso in einer Kooperation mit der CDU endet, zum Bumerang wird ist sehr wahrscheinlich. Und einer der wenigen Hoffnungsschimmer für die Gelsenkirchener SPD.
Weniger zu berichten gibt es über den CDU OB-Kandidaten Norbert Mörs, der Mann der das „Mögliche möglich“ machen will. Das ist ihm aber nicht negativ anzulasten, schließlich lautet der Titel seiner Darbietung „Auf der Flucht“. Irgendwie ist er nirgendwo aufzufinden. Selbst die CDU sucht ihn. Ob Doktor Kimble Mörs noch vor der Kommunalwahl 2009 öffentlich wieder auftaucht bleibt eine der spannenden Fragen im Wahljahr 2009. Sozusagen ein Cliffhanger.
„Einer flog übers Kuckucksnest“. Dieser ansprechenden Materie widmet sich ausgerechnet die lokale kaum vorhandene FDP. Aber dies mit überraschendem Bravour. So ist zu der Kommunalwahl auf der Homepage nichts zu finden. Kreisverbandsvize Marco Buschmann schwebt in seiner Aufführung stattdessen überzeugend in anderen Welten. Den verwirrten Patienten mimt er überzeugend mit einem Statement in welchem er die hessischen FDP-Wähler zu ihrer Vernunft beglückwünscht. Eine derartig abgehobene Unverschämtheit würde der „richtige“ Marco Buschmann, derselbe der noch 2005 Artikel unter dem Titel „Dankbarkeit und Demut“ schrieb, sich gegenüber den nicht FDP wählenden Menschen natürlich niemals erlauben.
Auch eine Glanzleistung ist die ebenso dort zu findende Meldung eben jener Herr Buschmann wäre auf einen „vorderen Listenplatz“ für die Bundestagswahl gewählt worden. Tatsächlich war es Platz 20, ein Platz mit dem sich Herr Buschmann durchaus im gesicherten Mittelfeld befindet. Vorausgesetzt die erste Garnitur der FDP NRW stürzt bei einem hypothetischen Flugzeugabsturz wie weiland Manchester United geschlossen ab.
Übrigens: Wie gut informierte Quellen verkünden will die FDP GE die Aufstellung der Kommunalwahlliste per Livestream ins Internet übertragen. Ob die Ziehung von drei aus fünf verfügbaren Strohhalmen allerdings für so was lohnt? Man darf gespannt sein.
Die LINKE bleibt ihrem Mammutepos, dem Blut und Eingeweide Spektakel „300“, weiterhin treu. Der Lo(c)kalreporter weigert sich zwar mittlerweile die Eklats, Wortwahlen und Ereignisse der Truppe um OB-Kandidat Will (auch mal) weiter zu dokumentieren und äußert stattdessen: Nicht wählbar. Dem widerspreche ich allerdings vehement. Würde man die LINKE genau zwischen Klaus Härtel und Kevin Gareth Hauer setzen wäre endlich mal wieder was los im Rat. Dschungelcamp.
Und die GRÜNEN? Die verweigern sich schnöde jedweder Kinoaufführungen. Stattdessen führten diese heute ihren Neujahrsempfang durch und präsentierten ihre OB-Kandidatin Irene Mihalic. Wundert es eigentlich noch jemanden das nur die grüne Truppe ihren weiblichen Mitgliedern hohe Ämter zutraut? Auch da war übrigens Hans-Christian Ströbele der in seiner Rede versprach gerne Tipps zu geben wie man als Direktkandidat eine Wahl gewinnt. Folgerichtigerweise fand sich im Verlauf der Veranstaltung auch Noch OB Baranowski überwiegend an der Seite von Ströbi. Soviel Einsicht hätte ich der SPD gerade in Hinsicht auf Härtel, gar nicht mehr zugetraut.
Hier schließt sich dann auch der Kreis. Der Empfang fand nämlich da statt wo wir Gelsenkirchener eigentlich Kinoaufführungen sehen wollen.
Nicht bei der SPD, nicht bei der CDU, nicht bei der FDP, nicht bei den LINKEn und schon gar nicht in der grünen Geschäftsstelle.
Sondern in der Schauburg.

