Fussballdeutschland 2008
Ein polnischer Einwanderer schießt für die DFB-Elf zwei Tore gegen Polen und knappe 150 Premiumteutonen singen in Klagenfurt das „alle Polen einen Stern“ tragen sollen. In Gelsenkirchen hingegen singen ganz „normale“ junge Männer, Jeans&Poloshirt, Modell „Fachhochschüler“, alkoholisiert und euphorisch „Schwarz-weiß-rot ein Leben laaang“ während sie durch die Innenstadt ziehen.
Hurra, wir sind wieder wer. Während Warmduscher wie die Türken und Portugiesen unverschämterweise in Gelsenkirchen-Ückendorf den Sieg von Portugal gemeinsam und friedlich feiern, zeigen tüchtige Deutsche wie man hardcore Nationalmannschaftfan ist. Man darf ja endlich wieder. Einige Wochen lang fungiert die DFB-Elf wieder als Katalysator für den ganzen Frust des bundesdeutschen Durchschnittsbürgers. Sämtliche Sachverhalte und Zusammenhänge, die ansonsten alltäglich zu kompliziert erscheinen, dürfen wieder sinnfrei verkürzt und gegröhlt werden. Super Deutschland, super Deutschland, super Deutschland, oleee oleee. Und wie toll ist es doch Teil der Siegermächte, verzeihung, Sieger zu sein. Hier erblüht wieder das Nationalgefühl welches wir kennen und schätzen, jenes Gefühl welches mit dem Fussball oder gar EinigkeitundRechtundFreiheit sehr wenig zu tun hat.
Das simple diffuse Gefühl des „Deutschseins“ dessen Merkmal die Ablehnung des „Andersseins“ ist.
Hätte Podolski das vorher gewusst, er hätte die Buden dem Lehmann in den Kasten gesetzt.


9. Juni 2008 um 21:42
Wo haben denn Leute jene Lieder gesungen? Hab ich nix von gehört!!!Obwohl ich es mir vorstellen kann..^^(Davon abgesehn-die Zeiten von S-W-R sind lange vorbei^^ ausserdem heisst es S-W-R bis zum Tod

Und nun ja, jetzt tu mal nicht so als wären türkische Fussballfans (bzw. Türken allgemein) allzu ” tolerant”.
In der WAZ stand, dass im portugiesischem Vereinsheim kaum Türken anwesend waren. Und die drei Halbmonde in allzu vielen Bussen gekritzelt oder geritzt, sind auch keine Zeichen eines friedlichen Zusammenlebens verschiedener Kulturen..;) (weisst ja wohl,welche Organisation ich meine
PS: Ausserdem, kannst du dich vllt. noch an das Spiel Schweiz-Türkei erinnern?? Schon 1, 2 Jahre her…;)
10. Juni 2008 um 12:46
Hast mich erwischt, das war wohl ein schlechterer Beitrag von mir. Ich wollte fix was zu der Paradoxie schreiben: Polnischer Einwanderer schießt zwei Tore und stolze deutsche Fussballfans wünschen ihn und sein Geburtsvolk gesamt in die Gaskammer.
Der Rest war verkürzt. Dieser “Gesang”, scheinbar eine kreative Spontanschöpfung mit “Schwarz-Weiß-Rot” anstelle von “Blau-und-Weiß” wurde in der Altstadt zum Besten gegeben.
Der Informationsgehalt bzgl. des Portugal&Türkei Spiels wird natürlich erst dann offenkundig wenn man sich vor Augen hält das Ückendorf laut rechter Ansicht so etwas wie eine Art “Ghetto” sein soll. Deine Kollegen aus Gladbeck würden so etwas wohl einen “Angstraum” nennen. Und ich finde es halt bemerkenswert wie friedlich es während der EM in diesem angeblichen Angstraum zugeht.
Das geht aus dem Blogbeitrag allerdings nicht hervor, stimmt schon.
Was türkische Fussballfans angeht muss ich ganz einfach konstatieren, dass diese tatsächlich friedlicher und fröhlicher feiern (möglicherweise weil die Väter dabei sind?). Wir können das in GE ja relativ oft am Grillo-Gymnasium beobachten und mit deutschen Fanaufläufen vergleichen.
Was die drei Halbmonde angeht: Ich habe nie gesagt das ich nur gegen deutsche Rechte was habe =). Wobei ich jetzt das Geritze selbst nicht überbewerten will, das sind Kinder (vergleichbar mit den Hakenkreuzen in Schultoiletten).
Eine heterogene Gesellschaft bietet halt mehr als eine homogene, leider auch mehr Auswahl an politisch Rechten (wobei das Fundament bei allen gleich ist).
Klar erinnere ich mich an diese Prügelei. Ich erinnere mich allerdings auch an Spiele von Sunderland gegen Millwall oder wie KSC Verteidiger B.Reich seinerzeit Max und Mulder weggetreten hat. Von Heysel gar nicht zu reden.
13. Juni 2008 um 01:50
[…] abend wurde bei Polylux über den EM-Patriotismus diskutiert und allgemein herrscht öfter Diskussion über die jetzt schwarz-rot-gold an den Fenstern. Ich kann den Bericht von Polylux nur […]
13. Juni 2008 um 10:23
[…] zeitrafferin Gelsenkirchen: „Schwarz-Weiß-Rot ein Leben laaang“ 13. Juni 2008, 10:23 Gespeichert unter: 1 | Schlagworte: deutschland, em, fußball, Gelsenkirchen Kommentar von Dennis […]
15. November 2009 um 20:54
So läuft das manschmal….
15. November 2009 um 20:54
und das Licht ist aus…
15. Januar 2010 um 18:52
Dieses Spiel werde ich in meinem Leben niemals vergessen. Podolski, Podolski
Grüße
Seyed