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Katrin Göring-Eckardt? - Oh ja, bitte!

Eigentlich ist Julia Seeliger schuld. Im Verlaufe ihrer auch medial vielbeachteten Blogaktion „DSDP“ brachte sie selbst (wenn ich mich richtig erinnere) Katrin Göring-Eckardt als neue Parteivorsitzende ins Spiel – wenn auch eher um die Absurdität des Ganzen zu unterstreichen. Aber irgendwie scheint sich die Person KGE in einigen Köpfen festgesetzt zu haben obwohl „DSDP“ lange vorbei ist (und im Übrigen von Robert Habeck gewonnen wurde). So orakelt derzeit Robert Zion in furchtsamen Lettern auf einem grünen Mailverteiler, dass es ihn gar nicht überraschen würde wenn alsbald Frau Göring-Eckardt als Vorschlag für den Bundesvorsitz ins Spiel gebracht werden würde – als Folge der noch andauernden internen Postenrotation der ehemals regierungsbeteiligten Promigrünen.
Ich halte das für blanken Unsinn, der „Realo“flügel könnte sich nach der programmatischen Erneuerung von 2007 überhaupt keinen größeren Bock schießen als ausgerechnet die schwer vorbelastete Hardlinerin Göring-Eckardt vorzuschlagen.
Und genau deswegen wäre ich sehr froh wenn sie es versuchen würden….

Erinnern wir uns doch mal an Katrin Göring-Eckardt. Ich habe da sehr persönliche Erinnerungen aus meinen ersten Tagen in der WASG. Nichts konnte einen mehr auf die Palme bringen, nichts konnte einen Prekario mehr motivieren sich für die WASG (später PDL) ins Rennen zu schmeißen als Katrin Göring-Eckardts seinerzeit häufigen Talkshowauftritte. Und die war ja in gefühlten drei Talkshows pro Abend gleichzeitig. Der Umstand ihrer damaligen Medienpräsenz und der Tatsache das viele heutige PDLer sich damals begannen für Politik zu interessieren prägt bis heute des LINKE Vorurteil der „grünen Hartz IV Partei“ in NRW. KGE in Talkshow war quasi Öko-FDP im Fernsehen, während der zumeist in der Nähe sitzende FDP-Quasselkasper im Vergleich zu ihr noch herzenswarm erschien.

Dabei will ich Katrin noch nicht einmal absprechen dass sie sicherlich hehre moralische Ziele hat. Das spreche ich grundsätzlich keinem Politiker ab. Nein, Katrin Göring-Eckardt ist schlichtweg Hardcore-neoliberal/neokonservativ und hat sich in dieser Hinsicht auch positioniert. Katrin Göring-Eckardt glaubt daran wenn sie sagt:
„Wir haben weniger zu verteilen, denn je.
(…)
Jahrzehnte lang haben wir über unsere Verhältnisse gelebt. Ökonomisch, finanziell und wohlfahrtsstaatlich.
(…)
Deswegen ist ein Job in einem ehrlichen zweiten Arbeitsmarkt, in der Kommune oder bei einem freien Träger, aber auch ein Minijob, besser als kein Job.“

Und dementsprechend dürften Auseinandersetzungen mit ihr in etwa so fruchtbar werden wie jene die ich kürzlich im WAZ-Forum wieder führen musste. Minijob ist besser als gar kein Job – so etwas kann auch nur jemand absondern der zum einen noch nie von einem Minijob leben musste und zum anderen marktfundamentalistisch und zumindest leicht nützlichkeitsrassistisch ist. Was zwar durchaus gesellschaftlich akzeptiert aber eben nicht GRÜN ist.

Nicht umsonst kann Katrin Göring-Eckardt mit Leuten wie Kai Diekmann von der BILD-Zeitung, Guido Westerwelle oder diversen Industriebossen wie z.B. Herrn Grossmann vom Klimakiller RWE, zusammen im Vorstand eines Lobbyvereins wie „Atlantikbrücke e.V.“ sitzen. Das dieser Verein dann noch ausgerechnet Condoleezza Rice einen Preis verleiht, in Zeiten der von der Bush-Administration mit angezettelten blutigen Militärkonflikte im Nahen Osten, überrascht da schon gar nicht mehr. Ist eben klassisch neokonservativ.
Und soll auch um Himmels Willen kein Vorwurf an Katrin Göring-Eckardt sein. Derartige Verortungen sind folgerichtig und nachvollziehbar in Anbetracht ihrer politischen Positionierung.

Und warum ich Katrin Göring-Eckardt unbedingt kandidieren sehen will?

Das hat mit unseren eigenen grünen „Neolibs/Neocons“ zu tun. Nehmen wir stellvertretend als Beispiel dafür Wibke Brems, neu im Landesvorstand der Grünen NRW. Diese charmante junge Dame war den NRWlern noch auf der BDK in Nürnberg unangenehm durch ihre Standing Ovations für Oswald Metzger aufgefallen. Folgerichtig bekam sie in Hamm eine Frage gleich in zweifacher Ausführung zu hören: „Kannst du die sozialpolitische Beschlusslage von Nürnberg mittragen?“. „Ja“ sagte die Wibke. Und das glaube ich ihr auch. Ich glaube Freundinnen und Freunden wie Wibke unbesehen das sie die Beschlusslage von Nürnberg mittragen – und zugleich darauf hoffen dass diese Beschlußlage ganz fix wieder in den Orkus verschwindet.
Was unsere „Parteirechte“ (im Sinne von machtpolitisch und marktradikal) einfach noch nicht verstanden hat ist dass es keine Mehrheit in der Grünen Partei für ihre Ansichten mehr gibt – schlichtweg weil diese Ansichten mit den Grundwerten der Partei nicht übereinzubringen sind.

Eine krachende Niederlage von Katrin Göring-Eckardt in einer BuVo-Wahl hätte also eine wünschenswerte markante Signalwirkung um die Beschlußlage von Nürnberg noch einmal zu unterstreichen. Ein klares „Nein“ zu Neoliberalismus/Neokonservativismus an einer Person fest gemacht wiegt medial immer noch mehr als diverse BDK-Beschlüsse.
Sollte KGE der Partei diesen Dienst erweisen wollen wäre ich ihr sehr dankbar.

P.S.: Und wenn sie gewählt würde?
Dann könnte man immer noch Oswald Metzger in die CDU folgen um sozialpolitische Opposition gegen diese KGE-Grünen zu betreiben.


 
 
 

2 Kommentare zu “Katrin Göring-Eckardt? - Oh ja, bitte!”

  1. Blogparade vom 15.5.08 « Maik`s geblogge
    15. Mai 2008 um 18:38

    […] Dennis ist kampfeslustig und wünscht sich, dass mit Katrin Göring-Eckardt die first Lady des grün…. Das wäre wirklich nicht schlecht, da unsere Öko-FDPler sich momentan gefährlich still verhalten, was eine offene Auseinandersetzung über den Kurs der Partei nicht einfacher macht. Fritz Kuhn z.B. sieht man derzeit eigentlich nur, wenn er auf Phoenix mal die Leipziger Parteitagsbeschlüsse der CDU als Hohelied der Vernunft anpreist und der Kanzlerin vorwirft, diesen Kurs verraten zu haben. […]

  2. Macht und Ethik: Wann ist man kein Grüner mehr? - Grüne Kraft für Europa - Wolfgang G. Wettach - http://gruene.wettach.org
    20. Mai 2008 um 03:55

    […] Liebeswerben frustrieren andere in Zeiten in denen sogenannte Realos keine Parteimehrheit mehr haben. Wer ist, was ist noch wirklich Grün? Mit wem kann man koalieren und noch Grüne […]

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