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Gastkommentar Shub: Medienbiedermeier und Rassismus

Shub-Niggurat

Langes Wochenende. Und bevor man sich in K*** langweilt, fährt man zurück in Richtung Ruhrgebiet. Das sind sechs Stunden Fahrt mit der Bahn, was eigentlich nur in einem Punkt interessiert: Wie vertreibt man sich die?


Diese Frage haben sich auch ein paar meiner Mitreisenden gestellt und folgendermaßen beantwortet: Bild, Weiberzeitschrift, Stylingmagazin für Männer.
Was in der Bahn selbst zwecks Unterhaltung ausliegt, ist die “MOBIL”. Eine seichte Sache, die DB natürlich immer im besten Licht erscheinen lässt und sich den Zeitvertreib nach und während der Reise zum Ziel gesetzt hat. Mit MeinungsungsBILDung ist es in allen aufgezählten Beispielen nicht weit her. Über das aktuelle Geschehen will man sich offensichtlich nicht informieren. Bloß nicht über den Tellerrand schauen.
Daheim gehe ich erst einmal online, um meine E-Mails zu checken. Web.de verfügt über die nette Funktion seinen Benutzern auf der Hauptseite Artikel zum Weltgeschehen zu liefern. Allerdings locken die Schlagzeilen in Benutzerfreundlicheren Format dort lieber mit Promis und Mutanten. “Sodom und Gomorrath im Tierreich”, war kurz davor mir den Rest zu geben. Das Übertragen von alttestamentarischen Moralvorstellungen auf den heutigen Menschen ist ja bereits fragwürdig, aber was können Haie dafür, dass sie zwei Penisse haben?
Hinzu kommt, dass ich an sich Interesse habe, mitzubekommen, was gerade wo passiert. Da ich aber keinen Fernseher und am neuen Wohnort noch keine Zeitung abonniert habe, bleibt nur das Internet. (Zeit.de hilft massiv, auch wenn ich dennoch nicht sagen kann, über welchem Thema sich die Jungs und Mädels im Bundestag heute wieder uneins sind. Aufs gute alte Druckerzeugnis werde ich jedenfalls nicht gänzlich verzichten Lernen, ganz gleich wie sich das Angebot online weiter entwickelt.)
Warum interessieren Sommer-Look und Schuhmacher mehr als das unmittelbare Geschehen? Was stimmt eigentlich nicht?
Letztere Frage stellte ich mir auch, als mich die nächste web.de-Schlagzeile ansprang. “Viele deutsche Jugendliche fremdenfeindlich” oder so. Natürlich dürfen auf begleitenden Foto die Klischeeglatzen in Bomberjacke nicht fehlen. Schlecht geschriebener Artikel, der ungeheuer pauschalsiert und es ist ein Fehler gewesen, Kommentare zuzulassen. Es stellt sich nämlich heraus, dass so gut wie jeder Kommentierende fremdenfeindlich eingestellt ist. “Ausländer” wird hier als Synonym für “Türke” gebraucht. Hoffe ich jedenfalls. Könnte auch sein, dass sie nicht wissen, dass es außer “Türken” noch einen Haufen anderer Minderheiten in Deutschland gibt. Im großen und ganzen war man sich aber einig, dass das vorhanden Sein von nicht integrierten, aggressiven Machos mit Migrationshintergrund einem jedes Recht gibt, Rassist zu sein. Und überhaupt Deutschland den Deutschen, man wolle keine anderen Sprachen hören, wenn man herausginge und keine nicht-deutschen Läden sehen. Zuviele Ausländer, ja ganz bestimmt. Verdammte Überfremdung, tolle deutsche Kultur - sagen Leute, die teilweise noch Nicks wie “Stahlgewitter” oder “Balder” benutzen. Folglich hat sich die Shub mitten in der Nacht noch einmal unbeliebt gemacht.
Sollte die NPD oder irgendeine andere rechtsextreme Partei irgendwann im Zuge einer Wahlkampagne ein nationales Picknick veranstalten, wird man über Bier und Bratwurst auf wahrscheinlich entsprechend gefärbten Picknickdecken Ähnliches hören und selbe Einigkeit erleben. Der Scherbergarten-Stammtisch tuts aber auch.
Ist das alles heilbar? Wahrscheinlich nicht, indem man die Bild liest.


 
 
 

Ein Kommentar zu “Gastkommentar Shub: Medienbiedermeier und Rassismus”

  1. Dennis Blog (Regierungslos bis 2009) » Ich twittere nicht
    20. Januar 2009 um 16:58

    […] Theorie. Aber Blödsinn. Ich bin auf Myspace weil Bekannte auf Myspace waren. Zum Beispiel Shub. Und ich bin da geblieben weil es da so viele schöne Freaks gibt. Was soll ich denn jetzt […]

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