Realitätsverlust in Hessen
Der hessische Landesvorstand der GRÜNEN, teilweise wie schon erwähnt auch Personalunion mit dem soeben gescheiterten Spitzenkandidaten Al Wazir, hat seine eigene Wahlanalyse vorgelegt. Diese liest sich bestenfalls interessant, vor allen Dingen ist es aber amüsant zu beobachten wie Menschen, welche davon tönen Verantwortung übernehmen zu wollen, die ersten sind die stiften gehen wenn es darum geht (eben!) Verantwortung zu übernehmen.
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Machen wir uns bitte nichts vor, die hessischen GRÜNEN sind mit ihrer Radikalrealo-Attitüde grandios beim grünen Wähler gescheitert. Profillos, machtorientiert, opportunistisch, drei Adjektive wie Faustschläge, solche Begriffe werden selbst in den eigenen Reihen mit der „Führungsspitze“ der Hessengrünen verbunden und auch gemäßigtere (will sagen: weniger linksorientierte) Grüne räumen zumindest ein, dass die Elite der Grünen Hessen zuweilen höchst unglücklich agiert. Sei es die offene Präventivschützenhilfe für die geschlossene Missachtung der Göttinger Beschlüsse durch hessische MdBs, sei es der Versuch mit Tarek al Wazir einen Personenwahlkampf a`la Joschka Fischer zu führen – nur eben mit Herrn al Wazir statt mit Joschka.
Der grüne Wähler honoriert es in Hessen eben nicht, wenn ein Landesverband sich als gallisches Dorf des Öko-FDP Konzeptes darstellt, während in der Restnation ein (m.E. auch vom Wähler erwarteter) höchstnotwendiger Grünruck durch die Partei geht.
Er honoriert es eben nicht, das Jamaikagetöse, das Schwarzgrüngeträume, das machttaktische Gehabe mancher „Realos“ und das hat in der „Realohochburg“ Hessen dieses Mal ganz gewaltig eingeschlagen, dieses Mal wo doch eine LINKE und eine vergleichsweise linke SPD zur Wahl standen.
Das haben die Landesvorständler der Hessen-Grünen übrigens auch gemerkt, der Stimmverlust wird am linken und ökologischen Profil der Y-SPD festgemacht. Warum die GRÜNEN in Hessen allerdings ausgerechnet an die SPD so gewaltig verloren haben, obwohl diese sich doch klar auf Rot-Grün (etc.) festgelegt hatte, erklärt dies nicht. Normalerweise gibt es während Regierungswechseln einen Trend zur Zweitstimme für die kleinere Partei. Das hätte in diesem Fall zumindest die Verluste der GRÜNEN eindämmen müssen. Dies ist allerdings nicht geschehen. Über die Hintergründe dafür kann man auch nur spekulieren. Möglicherweise hat nicht jeder ursprünglich grüne Wähler auch geglaubt, dass eine Stimme für die GRÜNEN auch eine Stimme für Rot-Grün ist und wollte sicher gehen. In Hessen kann einem das schon einmal passieren.
In puren Spekulationen ergeht sich dann auch der hessische Landesvorstand in seiner weiteren „Analyse“. Und wird dabei kurios. Denn normalerweise habe ich das so gelernt, dass man Dinge herbeispekuliert die man zumindest für denkbar hält. Was der hessische Landesvorstand so für denkbar hält zeigt sich darin, dass er u.a. auch zu der Ansicht gekommen ist, die Bundesparteitage des letzten Jahres hätten sich negativ auf das Votum der Wähler ausgewirkt.
Im Klartext: In Hessen wurde (laut Meinung des dortigen LaVos) weniger GRÜN gewählt weil:
Die Grünen als einzige ein Alternativkonzept zur Kriegsführung der Placeboregierung erarbeitet und beschlossen haben.
Die Grünen als einzige bundesdeutsche Partei ein Alternativkonzept zu Hartz IV erarbeitet und beschlossen haben.
Die Grünen also störenderweise sich als basisdemokratisch, ökologisch, sozial und gewaltfrei präsentiert haben. Das hat viele Grünenwähler verschreckt meint der hessische Landesvorstand. Der ja zugleich auch der gescheiterte Spitzenkandidat ist. Das ist aber natürlich purer Zufall.
Es lag jedenfalls nicht daran das einigen Grünen (und Grünen Wählern?) der hessische Landesverband profillos, machtorientiert und opportunistisch vorkommt.
Natürlich nicht.
Also, her mit der FDP! Wir wollen regieren in Hessen!


11. Februar 2008 um 23:44
[…] vor allem der dortige LaVo seine Lektüre nötig. Das könnte vielleicht den dort grassierenden Realitätsverlust lindern, der immer peinlichere Züge annimmt. Wobei der hessische Landesverband hier beim besten […]
19. Januar 2009 um 12:11
[…] Tarek Al Wazir den Grund für die damals krachende Niederlage eher in den Beschlußlagen von Göttingen und Nürnberg gesucht hat. Glücklicherweise hat er dieser seiner “Analyse” aber wohl selbst […]