Seid LAUT gegen Krieg - Konzibericht
Wer nicht da war ist selber schuld. Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr der traditionelle Ostermarsch durch eine Veranstaltung am Vortag erweitert. “Seid LAUT gegen Krieg” nannte sich das Rockfestival welches das Friedensforum mit der VVN/BdA, dem Bündnis gegen Rechts und nicht zuletzt [`solid]-Revolution mit viel persönlichem Einsatz organisiert hatten.
Das Ziel auch wieder jüngere Generationen in die Tradition der Friedensbewegung einzubinden dürfte man wohl als erreicht betrachten. Trotz zum Teil eher unangenehmer Temperaturen dürfte so ziemlich jeder der jung, alternativ und südlich des Kanals anzusiedeln ist anwesend gewesen sein. Ich erlaubte mir eine hastige Zählung und kam auf 300 Personen, später wurden es noch mehr. Ich habe schon verflucht lange nicht mehr so viel Publikum bei derartigen Veranstaltungen gesehen. Die Organisation war absolut top, alles ist so glatt gelaufen das einzig das Kaffeeproblem zu Anfang als Mangel erwähnenswert wäre - es gab kein Wasser. Doch nachdem auch dies mit eilig herbeigeschafftem stillen Wasser als gelöst betrachtet werden durfte, konnte es abgehen.
Und es ging ab. “AKT 04″ machte den Anfang mit einem rohen und doch gutem Sound, welcher das Charisma einer guten Flasche Bier hatte. Das Publikum war durchaus in Bierlaune und dementsprechend gab es an diesem Tag keinen besseren Platz für AKT 04 als der Musikpavillon im Stadtgarten.
“Torpedo Monkeys” unterhielten mit handwerklich gut gespielter Musik und einer außergewöhnlichen Bühnenperformance. Vier Musiker mit Affenmasken und ein aus Schuhen Bier trinkenden Sänger kann man nur als unterhaltsam bezeichnen.
“Ende Offen”… naja, da bin ich parteiisch. Meine Lieblingsband spielte einige neue Stücke welche klassisch Ende Offen waren: Musikalisch flüssig und intelligent getextet. Da fragt man sich eigentlich warum ausgerechnet solche Bands wie Madsen in Deutschland die dicke Kohle kassieren. Ende Offen ist dreimal so gut. Da auch die beliebten Klassiker nicht ausgespart wurden konnte der typische Ende Offen Junkie eigentlich glücklich sein - wenn die Band nicht wieder ihren Musikpavillonfluch mitgebracht hätte. Ausgerechnet hier machte die Technik zeitweise Probleme und der göttliche Arne war mit seiner Gitarre kaum zu hören. Man wurde dafür allerdings durch eine Zugabe entschädigt.
“Straight no headcase” machte den Abschluß. Abgesehen davon dass die Band auch durchaus was fürs Auge ist *hüstel*, zumindest eines der Mitglieder, legten sie auch mit sattem Sound los. Was bei Ende Offen das Ping-Pong der zwei Gitarren ist, ist bei Straight no headcase der flüssige Ping-Pong der zwei Gesangstimmen. Leider wurde mir bereits erbärmlich kalt und ich ging vorzeitig. Was aber eine gute Schlußimpression ermöglichte: Die Band klingt auch in einigen Wohnblocks Entfernung noch geil. Schafft nicht jeder.
Respekt Leute. Jetzt mal echt. Da ich dieses Mal nicht meine große Nase in die Vorabplanungen gesteckt hatte kann ich nun gar nicht so genau sagen, wem man den Orden für diesen hammergeilen Abend nun anstecken sollte. Respekt an Paul und seine Truppe, Respekt an Dennis und Nina, Respekt an Leo, Respekt an Meikel und Meikels Tortillaproduzierende Mutter. Respekt an den Bassisten von straight no headcase dass er in dem Zustand noch so gut spielen konnte, Respekt an Arne (und Trost!) und ein liebes Dankeschön von einem begeisterten Festivalbesucher.


10. April 2007 um 15:14
Ein paar Fotos vom Festival gibt es übrigens bei der Initiative-Links: http://www.initiative-links.com/bildergalerien/seid-laut-gegen-krieg.html